Ein papierreicher Weg

Schon vor mehrern Jahren hatte mir mir eine Freundin von UWC erzählt, da ihre Mutter am Atlantic College war und sie schon immer davon schwärmte sich, wenn sie 16 wäre, auch zu bewerben.

Also fing ich Ende November 2013 (ziemlich spät) an die 26 Seiten langen Bewerbungsunterlagen auszufüllen. Ich schrieb 4 Essays und kurze Texte über meine Freizeit, mein Engagement, meine Interessen, meine Pläne für die Zukunft und auch zum Beispiel über die Charaktereigenschaft, die andere am meisten an mir schätzen. Zwei nette Lehrer schrieben glücklicherweise, trotz der Kurzfristigkeit mir die benötigten zwei Gutachten und schließlich schickte ich die Bewerbung ein. Eine Woche später kam per E-mail die Bestätigung, dass sie angekommen sei.

Daraufhin hörte ich ewig nichts mehr von UWC und vergaß das ganze vollkommen, bis ich schließlich Ende Januar die Einladung zum Auswahlwochenende in Bad Homburg erhielt. Ich war vollkommen überrascht und meine Hände zitterten, als ich die Nachricht las, dass ich es in die zweite Runde geschafft hatte.

Das Auswahlwochenende ging von Freitag bis Sonntag und obwohl wir alle eigentlich Konkurrenten waren, war die Stimmung unglaublich gut und es wurde viel gescherzt und gelacht. Das beeindruckende dabei war, dass der Wechsel von ernsten Diskussionen zu albernen Gesprächen fließend war. Zeit zum Reden war aber meist nur beim Essen oder abends, denn direkt nach der Einführung am Freitag ging es schon los in die Gruppendiskussionen. Hier waren wir alphabetisch in Gruppen von jeweils 7 aufgeteilt worden. Bei uns hatte jedoch jemand abgesagt, so waren wir nur sechs, was sehr entspannt war. Der Ablauf war dann so, dass erst 4 Leute am Freitag ihr Thema zogen, das heißt ein kleiner Text mit einem Titel wie Gentrifizierung, also zu aktuellem Geschehen. Man musste dann in einer halben Stunde, wenn ich mich recht erinnere, einen kurzen Vortrag dazu vorbereiten. Auf den folgte dann eine von einem selber geleitete Gruppendiskussion und das ganze sollte insgesamt 20 Minuten gehen. Die Prüfer guckten uns nur zu und sagten bei 17 Minuten an, dass noch 3 Minuten Zeit waren. Am Abend gab es noch eine Bastelaufgabe, wir mussten mit Materialien wie einem Tennisball oder Klopapierrollen einen Energieerzeuger bauen, die Aufgabe war sehr frei und es ging nicht ums Ergebnis, sondern nur ums Verhalten in der Gruppe. Die Vorstellung war dann sehr witzig, weil manche Maschinen gebaut hatten, bei denen am Ende ein Teelicht gebrannt hat oder wie bei uns es eher abstrakt war.

Am nächsten Tag gab es morgens einen IQ-Test, der mir eigentlich Spaß gemacht hat. Man musste in Zahlenreihen die falsche finden, Wörter ergänzen etc… Danach gab es dann noch zwei Einzelgespräche, das eine drehte sich darum, was wäre wenn du…. und beim zweiten fragten sie sich über meine Bewerbung aus. Schließlich am Sonntag waren nochmal Gruppendiskussionen, da am Freitag ja nur 4 Vorträge gewesen waren.

Da ich auf dem ersten von zwei Auswahlwochenenden gewesen war musste ich nun 2 Wochen warten bis endlich mein Brief kam. Ich hatte mir die ganze Zeit gesagt, dass ich sowieso nicht genommen wäre, und das ja auch nicht wirklich schlimm sei, weil ich ja noch mein Abi hätte, also machen könnte was ich will.

Umso überraschender war dann als mein Vater mir eine SMS schickte, dass ein großer Brief zu Hause liege und ich in Freiburg genommen wäre. Ich hatte mir schon davor gedacht, dass wenn ich genommen würde, ich nach Freiburg geschickt werden würde, weil sie schon in den Einzelgesprächen mich zum einen immer auf mein naturwissenschaftliches Interesse angesprochen hatten. Auf der anderen Seite aber auch mich fragten, wie ich etwas organisieren würde, wie ich die Theater AG gegründet hatte, mein Engagement und meine Ideen und mein Wille diese dann umzusetzen, was bei einem Gründerjahrgang ja auch sehr wichtig ist.

Im Briefumschlag waren jetzt jede Menge Zettel, die man ausfüllen musste, samt unserem Stipendiumsantrag. Ein paar Wochen und Telefonate später stand mein Stipendium und wir bekamen einen weiteren Brief mit dem Vertrag in mehrfacher Ausführung und dem Code of Conduct, den ich unterschreiben musste.

Damit war ich von der deutschen Stiftung angenommen und jetzt musste nur noch das College mich annehmen, was aber nur noch eine formale Sache war.

Auf WhatsApp hatte sich dann auch schon eine Gruppe UWC Robert Bosch College gegründet und auch Ausländer fanden über facebook in unsere whatsapp gruppe. Wir diskutierten, aber scherzten noch viel mehr und es bildetete sich schon jetzt ein Zusammenhalt, denn als die Unruhen im Irak begannen, waren alle gleich besorgt um Hasan (Irak). Auch auf facebook bildete sich eine Gruppe in der auch Christian, der Director of Studies (Studiendekan[?]) Mitglied ist und uns über den Fortschritt im Bau auf dem Laufenden hält oder Fragen beantwortet.

Schließlich im Mai bekamen wir dann die Joining Papers zugeschickt, die auch wieder 26 Seiten zum Ausfüllen bereit hielten. Sie „erstreckten“ sich von medizinischen Sachen, über Verhaltensregeln und Einverständniserklärungen, bis zu Ankunftsinformationen.

Insgesamt, bis ich am College vollkommen angenommen war mussten wir jede Menge Formulare ausfüllen, unterschreiben und dann einscannen und per Post verschicken. Es war sehr viel Papierkram und ziemlich aufwendig, in den nächsten zwei Jahren werde ich rausfinden, ob es sich gelohnt hat ;).

Werbung

4 Kommentare zu “Ein papierreicher Weg

  1. Hey! 🙂 Ich hab mal eine Frage zu dem Vortrag den ihr ausarbeiten musstet. Habt ihr dazu Informationen bekommen oder musstet ihr euer Thema ohne zusätzliches Material bearbeiten, also sozusagen aus dem Kopf?
    Das würde mich wirklich interessieren! 🙂
    Ganz liebe Grüße,
    Lidia

    • Wir haben einen Zettel mit Thema und einer Beschreibung bekommen, und mussten dann einen Vortrag daraus ausarbeiten, natürlich auch mit eigenem Wissen und einer kontroversen Darstellung, damit danach eine Diskussion entstehen kann.

    • Wir haben einen kleinen Textstreifen bekommen und mussten dann mit unserem zusätzlichen Hintergrundwissen einen kurzen Vortrag halten und eine Diskussion dazu liefern.
      Das Thema war etwas aus den Ereignissen die gerade so in der Welt passieren.

  2. Hallo 🙂 ich finde dein Blog ist total schön gestaltet👍
    Ich hab auch eine Frage, und zwar ob das Thema, über das du den Vortrag halten musstest, ausgesucht aus deiner Bewerbung war oder dir durch das Zufallsprinzip zugeteilt wurde.
    Danke schonmal für eine Antwort
    Lg, RGP41

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s